Evangelische Kirche grenzt AfD aus

Was ist passiert? Um es kurz zu sagen: eigentlich nichts Weltbewegendes! Aber nur eigentlich…

Knapp 20 Jahre lang war Sylke Schäfer Mitglied in der FDP. Sie war Stadtverordnete in Allendorf (Lda.), im Laufe der Zeit dann auch Kreistagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende der FDP in Allendorf (Lda.).

 

Anfang 2018 wechselte Sylke Schäfer zur AfD und wurde kurze Zeit später zur Sprecherin des AfD-Ortsverbandes Nordkreis Gießen gewählt. Das alles ist nichts Besonderes – jedenfalls nicht für uns, da recht häufig Politiker zur AfD wechseln, weil sie mit den Zielen und Einstellungen ihrer alten Partei nicht mehr einverstanden sind. So weit, so gut!

Neben der Politik engagiert sich Sylke Schäfer seit Jahren auch für die evangelische Kirche. Sie wurde zur Lektorin (das ist ein offizielles Kirchenamt) ausgebildet und hält seitdem so genannte Verkündungsgottesdienste im Dekanat Kirchberg - zumindest bis Anfang 2018. Da entschieden nämlich die Pfarrer Lenz aus Treis, Pfarrer Schröder aus Allendorf (Lda.) und Pfarrer Leimbach aus Alten-Buseck, ihr die Gottesdienste zu entziehen mit der Begründung, weil sie jetzt Mitglied der AfD ist. Auch der Kirchenvorstand in Allendorf (Lda.) legte Sylke Schäfer in einem persönlichen Gespräch nahe, das Amt im Vorstand doch bitte „heimlich, still und leise“ nieder zu legen, da ansonsten der gesamte Vorstand geschlossen zurücktreten müsse, um anschließend neu, dann aber ohne Sylke Schäfer, gewählt zu werden.

Die AfD weiß, dass es das so genannte „Kanzelrecht“ gibt, das den Pfarrern die Entscheidung überlässt, wer einen Gottesdienst hält und wer eben nicht. Dieses Recht können und werden wir den Pfarrern auch überhaupt nicht absprechen. Wenn aber die Begründung zum Entzug der Gottesdienste lautet, dass Sylke Schäfer jetzt Mitglied in der AfD ist, dann haben auch wir das Recht kritisch nachzufragen: Wird hier mit zweierlei Maß gemessen?

Der AfD-Ortsverband Nordkreis hat auf die Situation reagiert. Wir haben die Pfarrer sowie den Kirchenvorstand mehrfach angeschrieben und um Gespräche gebeten. Unser Grundsatz, den wir in den Briefen auch mitgeteilt haben, lautet nämlich: Wir reden lieber miteinander als übereinander. Da aber sowohl die Pfarrer als auch der Kirchenvorstand Gespräche mit uns abgelehnt haben, wählen wir nun diesen öffentlichen Weg. An dieser Stelle richten wir uns erneut an die Pfarrer Schröder, Leimbach und Lenz sowie den Kirchenvorstand in Allendorf (Lda.): „Wir stehen weiterhin für Gespräche zur Verfügung. Es liegt ausschließlich an Ihnen, ob diese Gespräche zu Stande kommen oder nicht!“

Wir, die AfD, sind eine demokratische Partei, als drittstärkste Kraft im Bundestag sind wir Oppositionsführer und in 14 von 16 Landtagen vertreten. Die christlichen Grundwerte haben bei uns einen hohen Stellenwert. Wir stehen ein für die freiheitlich demokratische Grundordnung und für unser Grundgesetz. Dort heißt es in Art. 3: „Niemand darf wegen seiner politischen Anschauungen benachteiligt werden.“

Die Situation unseres Mitglieds ist für uns aber genau das: eine Benachteiligung, um nicht sogar zu sagen, eine reine Ausgrenzung durch die Kirchenvertreter. Wenn die evangelische Kirche gegen Ausgrenzung predigt, warum gilt dies jetzt nicht für Sylke Schäfer?